Wenn weise Weiber wandeln, wandelt sich die Welt
Großmütter auf dem Hemma-Wandelweg
Wandeln wir den Hemma-Weg,
Kommt Visionen erwacht!
Unsere Träume geboren aus eigener
Kraft,
Wir wandeln die Welt gemach.
„Mit diesem Lied schritten wir durch das Kirchentor
und das gesamte Kirchenschiff des Gurker Doms in Kärnten, freudig begrüßt von
Schwester Gerda als Hemma-Pilgerinnen. Vorausgegangen waren 11 Tage pilgern auf
dem Hemma-PilgerInnenweg von Slowenien nach Gurk, vom 03.-15.6.14 JdF.
Was brachte uns 7 Frauen, die Großmütter Ursa, Uscha, Christa und Sirilya vom Rat der Großmütter, und drei befreundete Frauen, Hemma, Lisa und Claudia, auf diesen Weg? Großmutter Erika hatte uns von diesem Hemma-Weg erzählt, den sie selbst einmal auf der Suche nach einer weiblichen Entsprechung des Jakobsweges zwei Monate lang pilgerte. Der Hemma-Pilgerweg folgt dem Symbol der Lemniskate - das verlockte uns sehr – und verbindet Orte, die mit der Hl. Hemma zu tun hatten. Von Hemma hatten wir bislang noch nichts gehört. Hemma lebte 999 – 1045 in Kärnten. Nach dem Tod ihres Mannes und ihrer beiden Söhne war sie als Markgräfin von Friesach die reichste und mächtigste Frau weit und breit. Sie setzte ihren Reichtum für das Wohl des Volkes ein mit Stiftungen von Klöstern und Kirchen, die damals die Stätten für Bildung, Heilung, spirituelles Wachstum und soziale Betreuung waren.
Hemma wurden wundersame Kräfte zugeschrieben: Wunderheilungen, Friedenstiften, für Gerechtigkeit sorgen und Gebetserhörungen. Sie wurde schon zu Lebzeiten als Heilige verehrt. Seit 1607 wird von großen Wallfahrten zu ihrem Grab berichtet. Wir Großmütter-Pilgerinnen interessierten uns für ihren heidnischen, ungezähmten Anteil. Sie war wohl in der Tradition der Weisen Frauen Heilerin, mit Tieren, Pflanzen, den Elementarwesen und dem Wetter verbündet, und verfügte über die Sichtigkeit wie ihre mystischen Zeitgenossinnen Hildegard, Gertrud, Katharina und Mechtildis.
Für die Vorhut Uscha, Hemma,
Claudia und Sirilya war der Hemma-Berg in Kärnten der erste Kontakt. Eine
heilige Quelle unterhalb einer Grotte, ein Hügel mit 4 Kirchen aus
verschiedenen Epochen, drei davon nur als ruinöser Grundriss erhalten, eine
uralte Eiche, ließen uns ankommen. Hier wurde die Große Göttin seit Alters her
in der Erhabenheit des Berges und im Quellwasser aus ihrem Schoß verehrt.
Unseren Pilgerinnen-Weg begannen wir in Svet Ana auf der slowenischen Seite des
Loiblpasses mit dem Segen der Großen Mutter Anna. Einsame Wege durch die
Karawanken mit üppigsten Blumenwiesen der Frühsommerzeit, die wildromantische
Tscheppaschlucht, die ehrwürdige Drau als Tor in den lieblichen Teil Kärntens
mit den unzähligen Hügelketten, Seen und der großen Weite bezauberten uns. In
Viktring/Klagenfurt vervollständigte sich unsere Gruppe. Wir stellten fest, dass
wir alle Wurzeln in der alpenländischen Kultur hatten. Das Edelweiß wurde zum
schmunzelnden Zeichen für diese unsere indigenen europäischen Wurzeln. Es
begleitete uns als kreativ eingesetztes Hemma-Pilgerinnen-Tuch – und, ja, wir
haben auch gejodelt.



Über Maria Saal, den
Magdalensberg, St Georgen am Längsee und Gunzenberg führte unser Weg. Hemma
begegnete uns als Klosterstifterin in kunstgeschichtlich bedeutsamen Kirchen
oder in einfachen Weg-Bildstöcken. Im Dom zu Gurk liegt sie begraben. Ein
Quellbrunnen neben der Kirche führt heilsames Wasser. Neben ihrem Grab in der
Krypta gibt es einen uralten wundertätigen Naturstein, dem nachgesagt wird,
dass er zahlreichen Frauen zu Kindersegen verholfen habe. Seine Kraft war für
uns auch deutlich spürbar und hat uns sehr beindruckt (schwanger wurden wir
nicht). Habt ihr schon einmal in einem Kreuzgewölbe mit 100 Säulen gesungen?
Deine Stimme wandelt sich in Engelsgesang, zauberhaft, magisch, kraftvoll.
Und was bedeutete nun für
uns das Pilgern? Unsere Schritte waren das menschliche Maß für unsere Tage. In
der Entschleunigung und in der Stille holte sich die Seele zurück, was in der
Hektik und im Lärm verloren gegangen war. Täglich begleitete jede von uns eines
der Großmutter-Machtworte und trug dazu bei, dass unser Gehen, Pilgern zu einem
Wandeln wurde. Im Einssein mit der Natur tagaus tagein wandelten sich unsere
Perspektiven und wir selbst. Wo wir unsere Schritte in liebevoller Offenheit,
in Verbundenheit zu allem, in Großmütter-Weisheit, Lebensfreude und viel Lachen
setzten, wandelten wir ebenso die Welt um uns herum. Wie im Kleinen so im
Großen. Die Naturgeister waren begeistert.“
So weit erzählt Großmutter Sirilya und Großmutter Uscha fährt fort:
„Während wir sieben Frauen also Tag um Tag durch Frau
Natur streiften, innehielten, Blumen berührten, Vogelstimmen zu verstehen
glaubten, wurde uns statt des Wortes „Pilgern“ das Wort „Wandeln“ näher
und lieber. Auch sagten wir uns, wir suchen nicht die Entbehrung, sondern die
Erfüllung. Wie wir uns in der der Landschaft der Göttin bewegten, bewegte es
uns gleichermaßen innerlich. Es tat gut mit jedem Schritt, den Segen von Mutter
Erde aufzunehmen und ihren Herzschlag zu spüren. Das Gefühl von Ehrfurcht,
Stärkung und Heilung nahm von Tag zu Tag zu. Die innige Verbindung zu den
Elementen, die wir nicht rufen mussten, die ständig um uns waren, war unsere
ganze Fräude. Wir konnten uns als Teil von diesem Wunder erfahren.
Erwähnenswert ist, dass uns über diesen Wandelweg auch eine große Erzählerin begegnete: Die Kärtnerin Dolores Visér, Anfang 1900 geboren, sie verfasste den Roman „Hemma von Gurk“. Dieses bedeutende Werk war mit ausschlaggebend, dass 1938 Hemma v. Gurk heiliggesprochen wurde und seit damals als Landesheilige von Kärnten gilt. Ein Auszug aus dem Roman (S.119, Ehrenwirth Verlag):
„ Hemma
war es, als m ü s s e sie lernen,
solange sie noch Zeit habe, obwohl sie sich heimlich schämte, besser als die
meisten Männer zu lesen, zu schreiben und zu rechnen und mit so vielen Sprachen
vertraut zu sein. Sie sprach außer ihrer Muttersprache Griechisch und Latein,
Französisch und Romanisch und die slowenische Mundart, die Artre sie gelehrt
hatte. Freilich war dies eine Sprache, die sich für eine edle Frau wohl kaum
geziemte. Doch Hemma mochte sie gerne.....Sie hörte die Gespräche großer Ärzte,
die Weisheitssprüche der Gelehrten, die so merkwürdige Dinge über alles
Geschaffene zu sagen wussten, - von den Erzen der Erde bis zu den Sternen des
Himmels, von der Erschaffung der Welt und ihrem nahen Untergange. Ohne Mühe gelang
es Hemma, dies alles aufzufassen. Ihr Verstand, der bis jetzt von keinem
rascheren Herzschlag verwirrt worden war, tummelte sich mit wahrer Lust in den
unendlichen Gefilden menschlichen Wissens.“
Dieser Roman wurde uns von der mit uns wandelnden Hemma nahe gebracht. Hemma ist in der Region der Landesfürstin Hemma aufgewachsen, wurde nach ihr benannt und bekam diesen Roman in ihrer Jugend geschenkt.
Eine weitere geistige Entdeckung, die wir machen durften: Vieles, was über die HL. Hemma erzählt wird, finden wir auch in dem, was die alpenländische Göttin Noreia ausmacht, die Stammesgöttin der Noriker, eines keltischen Volksstammes, der das Gebiet des heutigen Österreichs und Teile Bayerns besiedelte.
In der Ausgabe 66-September des Schlangengesangs schreibt Claudia Jenik zu Noreia, die an etlichen Orten mit der orientalischen Isis verschmolzen ist:
„Aus meiner persönlichen, neuheidnischen Sicht und Erfahrung ist Noreia eine sehr mächtige Göttin mit spirituellem Tiefgang. Sie hält das Schicksal in Händen, kann heilen und verfluchen, stützt und schützt einerseits und führt andererseits auf Ihrem Nachen mit Ihrem Ruder die Seelen in die Andere Welt. Sie strahlt wie die Sonne, ist Herrin des Landes und der Leute, ist königlich und spendet Reichtum und Fülle. Sie ist eine alte Göttin, vielleicht vorkeltisch. Ihre dröhnende Stimme erklingt aus ferner Vergangenheit und jagt mir einen Schauer über den Rücken. Aber letztlich ist sie gnadenvoll und hat auch Sinn für Humor.“
Das mit dem Humor können wir
wandelnden wilden Frauen vom Rat der Großmütter bestätigen. Uns begegneten in
der Tat mehr lustige Begebenheiten als ernste. Zum Beispiel an dem Tag, wo wir
uns bei größter Hitze über heißes Pflaster den Berg hinauf zu unserem Ziel
schleppten, wild entschlossen durchzuhalten. Da überholt uns plötzlich ein laut
hupendes Auto. Unserer Großmutter Christa sitzt darin und streckt die Hände zum
Frauenzeichen geformt aus dem Fenster. Sie hatte unten, unter dem einzigen
Schattenspendenden Baum, zufälligerweise die Wirtin vom Berg nach dem Weg
gefragt und diese hat sie sofort in Auto eingeladen, sich die ganze Fahrt bei
dem Gedanken fräuend, welche Gesichter wohl die nicht aufgeben wollenden
Ko-Wandlerinnen machen würden, wenn sie mit fröhlichem Gekreisch überholt
werden.“
So weit der Bericht von Großmutter Uscha sie übergibt weiter an Großmutter Christa:
„die wandelwege waren beeindruckend, aus sehr
männerdominierten bezügen, wurde der weg immer weiblicher. äußerlich bei den
unterkünften, in einer 3 frauengeführten unterkunft sangen wir uns dann
gegenseitig unsere lieder vor...oder unser innerer prozeß, es eröffneten sich
immer frauenspezifischere vorgehens- u. umgangsweisen miteinander. von den
menschen kam viel wohlwollen, besinnung u. offenheit entgegen, es war deutlich,
daß hemmas spuren u. unsere frauenkraft ihre wirkung zeigten. in gurk selbst,
gab es ein museum mit diversen ausstellungen, z.b. hemmas u. andere machtvolle
ritualkleider, eine zusammenstellung von kraftvollen frauen, selten hab ich es
so vielfältig an einem ort erlebte,u.a. anna selbtritt, eine dreierdarstellung
von mächtigen frauen, die weibl. attribute trugen...vagina,busen usw. der weg
bot viele möglichkeiten...alte spiritualität zu leben: ein museum,in der hemma
u. ausgrabungen uns von einer weisen hüterin detailiert nahegebracht wurde, ein
kloster, das alte sagen darstellte, ein wunderbares labyrinth, sowie muttererde
in einem wildniskräutergarten mit berührend texten. auf einem berg, ein
riesiges haiderdenkmal, daneben u. älter ein scheinbar kleineres, unwichtigeres
hemmadenkmal. mein ärger verflog schnell, als ich sah... bei hemma konnest du
dich draufsetzen, einlassen, besinnen, über das weite weiblich geprägte land
schauen u. mächtige, starke frauenkraft pulsierte durch dich. das wissen u.
immer wieder zu erfahren u. zu erleben, daß unter allem partiarchalen, die
lebensspendende frauenkraft fließt, sich zeigt u. zum leben kommt,wenn wir uns
in offenheit verweben u. so frauenkraft, auch immer wieder beleben u.
weitertragen. in diesem sinne möge es überall wirken.“
Frauen, die auf diesem Weg wandeln wollen, bieten wir an, eine Liste unserer Quartiere zur Verfügung zu stellen.